BREXIT!

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Wettquoten, die meisten Meinungsumfragen und auch die Entwicklung der Finanzmärkte deuteten allesamt auf einen Verbleib von Grossbritannien in der EU hin. Entgegen diesen Erwartungen haben die Briten mit knapp 52% für den Brexit gestimmt. Die Endresultate stehen noch aus, in der Grössenordnung dürften die Zahlen aber stimmen:

Brexit Resultat nach Land

Was passiert nun? Werden sich die Untergangsprophezeiungen bewahrheiten?

„Als Historiker befürchte ich, dass mit der Abspaltung Großbritanniens nicht nur die EU, sondern auch die gesamte westliche politische Zivilisation an den Abgrund gedrängt wird.“

 

— EU-Ratspräsident Donald Tusk

„Der Brexit wäre eine Katastrophe.“

 

—EU Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

Im Folgenden ein paar kurze Feststellungen unsererseits:

  1. Die Welt geht nicht unter, nur weil ein Land einen nicht vorgesehen Austritt aus einem Staatenverbund beschliesst.
  2. Es gibt – wie bei jeder grösseren Änderung – eine Phase der Unsicherheit. im Rahmen der Austrittsverhandlungen müssen viele neue bilaterale Verträge ausgehandelt werden.
  3. Die Finanzmärkte lieben Unsicherheit nicht. Das britische Pfund, die Aktien und Erdöl haben stark verloren, Gold stark gewonnen. Die Volatilität hat massiv zugenommen.
  4. Gewonnen hat – vorerst – die Demokratie. Es wird interessant sein, ob die EU das erkennt und das Volk mehr in die Entscheidungen miteinbezieht. Oder wird der Brexit Entscheid mit einer neuen Abstimmung wieder umgedreht, wie das bspw. auch schon in Dänemark mit der zuerst abgelehnten EU-Verfassung passierte? Nicht dass dies per se undemokratisch wäre, die Diskussion geht ja schliesslich weiter. Das Problem dabei ist allerdings, dass es erstens nur wenige EU Abstimmungen gibt und zweitens, dass bislang nur EU-ungenehme Resultate umgedreht wurden…
  5. Zumindest kurzfristig macht der Brexit-Entscheid die eigentlich schon genug schwierige Ausgangslage für die SNB noch schwieriger. Sie hat in der Nacht sicher weiter interveniert wie der folgende Chart andeutet:EURCHF Reaktion auf Brexit
  6. Es gibt immer Gründe für Korrekturen. Dass aber globale Konzerne wie Nestlé (derzeit -3%), Novartis (-4.5%) oder Roche (-4.5%) wegen einem Brexit so viel verlieren, zeigt auch auf, wie viel spekulatives Geld in den Märkten ist. Es wäre wohl naiv anzunehmen, dass diese Erkenntnis Draghi und Konsorten von weiterem Geldpolitik-Aktivismus abhalten würde.
  7. Bezüglich Investitionen raten wir von übertriebenem Aktionismus ab. Panikverkäufe sind nicht angesagt, wenn die Risikofähigkeit nicht überschätzt wurde. Falls die Aktienmärkte weiter korrigieren, erachten wir globale Konzerne wie Nestlé, Novartis, Roche, LafargeHolcim, etc. als interessante Kaufkandidaten. Für Bank- und Versicherungswerte sollten sich die Nebel zuerst etwas legen und ‚bessere Sicht‘ vorliegen.

5 Kommentare zu “BREXIT!

  1. Hasso Wenger

    Ich denke, es wird für die Schweiz schwieriger, da die EU vorerst keine weiteren bilaterale Verträge abschliessen wird, um keinen Präzedenzfälle für GB zu schaffen.
    Interessant ist, ob GB bilaterale Verträge zwischen EU und CH übernehmen kann.
    In solch einer Sell-Off Phase sollte man sein Depot noch kritischer durchleuchten,
    da schlechte Titel sich nicht oder nur sehr schleppend erholen. Nestle und Co.
    erholen sich meist recht schnell.

    1. cz Autor des Beitrags

      Danke, Hasso. 100%ige Übereinstimmung, die EU wird der CH im jetzigen Umfeld kaum viel entgegenkommen können und wollen. Mal sehen, wieviel an Massnahmen und Änderungen unilateral durch die CH die EU toleriert.

      Und deine Aussage zu Nestlé und Co. sehen wir auch so, siehe Punkte 6 und 7 in unserem Beitrag.

  2. Maximilian Reimann

    „Der Brexit wäre eine Katastrophe“, sagte Jean-Claude Juncker; aber er sagte nicht für wen. Es ist eine Katastrophe für die abgehobene, sich stets selbst beweihräuchernede EU-Funktionärskaste vom Typ Juncker, Martin Schulz, Elmar Brok oder Mario Draghi. Diese Leute meideten auch die NEAT-Einweihung vom 1. Juni, um damit der Schweiz die gelbe Karte zu zeigen. Zugegen waren aber die Staatschefs aus unseren Nachbarländern, die auch in der EU das Sagen haben. Abgemeldet hat sich GB im übrigen nur von dieser EU, nicht aber von Europa, denn es bleibt Mitglied im Europarat, in der OSZE und auch in der NATO.

    1. cz Autor des Beitrags

      „Abgemeldet hat sich GB im übrigen nur von dieser EU, nicht aber von Europa“

      Ganz wichtige Aussage, Herr Reimann. Auch da sind wir einverstanden. Ob das allerdings die genannten EU Funktionäre ebenso (ein)sehen? Vielleicht ist der Brexit ein Weckruf für die EU.

      1. cz Autor des Beitrags

        Wir haben kurz nach aktuellen Stellungnahmen der genannten EU Funktionäre gegoogelt. Nicht bei allen lässt sich auf ‚Einsicht‘ schliessen.

        Elmar Brok: „Die Lügenkampagne hat verfangen“ oder was dem Fass den Boden ausschlägt: „Grossbritannien ist jetzt nur noch eine isolierte Insel im Atlantik.“

        Wenn solche Ansichten bei den EU Politikern mehrheitsfähig wären, wird es der angesprochene Weckruf für die EU schwer haben. Z.G. gibt es auch besonnenere Kommentare von anderen wie zB „We regret this decision but respect it.“

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