Finanzmarktbericht Q4 2020

Wir wünschen Ihnen alles Gute, insbesondere gute Gesundheit und generell ein positives 2021!

Rückblick 2020: ein verrücktes Jahr!

Die Lock-Down Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie trafen die Wirtschaft im 2020 hart und unvorbereitet. Trotz gigantischen Stützungsmassnahmen der Staaten brachen sowohl Wirtschaftsleistung wie auch die Gewinne der Firmen massiv ein. Dass dies die Aktienmärkte nur sehr kurzzeitig zum Einbruch brachte und aktuell vielfach neue Allzeithöchstpreise bezahlt werden, ist für uns das heraus stechende Merkmal des Anlegerjahres 2020. Der Rückblick mit der Schweizer Börse (SMI in Franken), im Vergleich zu Deutschland (Dax in Euro) und den USA (S&P500 in Dollar) zeigt folgendes Bild:

SMI vs DAX vs SP500

Der SMI schliesst knapp 1% über dem Vorjahresstand, der Dax legt etwa +4% zu und der S&P500 schwingt mit +17% obenaus. Highflyer und ausnahmsweise hier erwähnt ist die Tech-Börse Nasdaq. Sie legte um +44% zu. Allerdings verlor der USD zum Franken doch etwa -8%, während der EUR praktisch unverändert blieb. Die Zinsen blieben – kein Wunder angesichts des Corona-Gegenwinds – in der Nähe von absoluten Tiefstständen.

Dass trotz Einbrechen der Wirtschaftsleistung wie auch der Gewinne der Firmen die Aktienmärkte nur sehr kurzzeitig sanken und aktuell vielfach neue Allzeithöchstpreise bezahlt werden, ist für uns das heraus stechende Merkmal des Anlegerjahres 2020.

Wir waren mutig genug, um in die Frühlingsbaisse hinein Aktienaufstockungen vorzunehmen, allerdings nicht unbedingt am richtigen Ort (Banken wie auch Oeltitel haben zwar zugelegt, aber es hat im Vergleich zur restlichen sehr schnell anziehenden Börse unangenehm lange gedauert) und im Rückblick auch zu wenig.

Die Aktienmärkte haben wesentlich mehr zugelegt, als wir uns das im Frühling vorgestellt hatten. Solche Abweichungen von eigener Erwartung und effektivem Eintreten an der Börse sind im Anlagegeschäft normal. Dieses Mal aber gibt es einen zusätzlichen unangenehmen Aspekt. Meist kann man aufgrund der neuen (zum Zeitpunkt der Entscheidung noch unbekannten) Fakten die Börsenbewegung wenigstens im Nachhinein meist einigermassen erklären. Aktuell tun wir uns aber schwer damit. Selbst im Nachgang und mit dem heutigen Wissensstand halten wir den jetzigen Preis für die Aktienmärkte für massiv überteuert.

Ausblick

Corona ist noch nicht fertig, die aktuellen neu bestätigten Fälle stehen nur knapp unter dem Höchst. Sehr positiv hingegen ist es, dass in Rekordzeit ein offenbar sehr wirksamer Impfstoff entwickelt wurde und nun zur Verfügung steht. Es wird sicher mehrere Monate dauern, bis sich Personen aus den Risikogruppen und danach auch andere Impfwillige impfen lassen konnten. Unserer Meinung nach könnten dann die Corona-Massnahmen zurückgefahren werden. Ob das allerdings der Politik reicht oder ob ‚aufgrund zu tiefer Impfrate’ verschiedene Massnahmen länger in Kraft bleiben als nötig, werden wir sehen. Corona bleibt also mindestens noch ein paar Monate ein Gegenwind für die Wirtschaft. Verschiedene Konjunktur- und andere staatliche Unterstützungsmassnahmen versuchen hier zu helfen, aber diese sind zum einen nicht gratis (die Staatsverschuldungen lassen grüssen) und zum anderen bleibt unter dem Strich dennoch ‚Gegen’wind.

Sehr positiv hingegen ist es, dass in Rekordzeit ein offenbar sehr wirksamer Impfstoff entwickelt wurde und nun zur Verfügung steht.

Unser Bauchgefühl, dass die Aktienmärkte etwas gar frivol und überschwänglich sind, ist somit teilweise in der Coronasituation begründet, geht aber weiter. Die Realwirtschaft kann nämlich schon seit Jahren mit den Preisanstiegen verschiedener Anlagen nicht mehr mithalten, hier ein Vergleich ab 2009:

Asset prices vs Real Economy

Die Realwirtschaft kann schon seit Jahren mit den Preisanstiegen verschiedener Anlagen nicht mehr mithalten.

Liegt das daran, dass die ultraexpansiven Zentralbanken die finanzielle Schwerkraft ausser Kraft gesetzt haben und ‚diesmal alles anders ist’? Ist in Zeiten von Nullzinsen und der Explosion der Geldmengen die Realwirtschaft völlig irrelevant für die künftigen Anlageerträge geworden?

Wir haben ein einfaches Modell programmiert, in welchem wir für die wichtigste Börse und grössten Wirtschaftsraum der Welt – die USA – einen fundamentalen Wert berechnen. Dieser dient als Benchmark. Ist der aktuelle Preis an der Börse tiefer, sollte die nachfolgende Langfristrendite höher als im Schnitt sein, ist der aktuelle Preis an der Börse höher, dann müsste die künftige Rendite natürlich tiefer sein. So viel zur Theorie. Es fliessen nur zwei Parameter aus der Realwirtschaft in dieses Modell ein, die Wirtschaftsleistung GDP und die Gewinne der S&P500-Firmen. Zusätzliche Berücksichtigung von Zinsniveau und/oder Inflation haben zu einer Verschlechterung der Prognosefähigkeit geführt und wir haben sie wieder weggelassen.

Wie gut erklärt nun das Modell die nachfolgende Anlagerendite? Nicht schlecht, die Korrelation zwischen Modell und nachfolgender 12-Jahresrendite beträgt 0.88:

Langzeit-Bewertungsmodell S&P500

Das ist eine sehr starke Korrelation. Das heisst, dass für die Zeit von 1940 – 2008 (heute exkl. die letzten 12 Jahre, da kennen wir ja die Rendite noch nicht) dieses Modell extrem gute Prognosefähigkeit für die Nachfolgerendite hatte.

Haben die ultraexpansiven Zentralbanken die alten Mechanismen ausser Kraft gesetzt? Keine Ahnung, aber wenn ein Modell so lange gut funktioniert hat und auch wirtschaftlich plausibel begründet ist, ist die Wahrscheinlichkeit recht gross, dass es auch künftig nicht komplett nutzlos ist.

Wird es weiterhin so gut taugen? Oder haben die ultraexpansiven Zentralbanken die alten Mechanismen ausser Kraft gesetzt? Keine Ahnung, aber wenn ein Modell so lange gut funktioniert hat und auch wirtschaftlich plausibel begründet ist (was ist eine Firme/Aktie wert, wenn sie keinen Gewinn erzielt?), ist die Wahrscheinlichkeit recht gross, dass es auch künftig nicht komplett nutzlos ist.

Das ‘Problem’: die aktuelle Prognose für die nächsten 12 Jahre ist -3.4% p.a. bzw. auf die 12 Jahre insgesamt -34%, sprich ein S&P500 von 2400 per Ende 2032. Wenn wir die coronabedingten GDP- und Gewinnrückgänge weglassen, wären wir immer noch bei einer roten Null auf 12 Jahre hinaus. Keine rosigen Aussichten, welche im Grundsatz auch für andere Assets wie zB Immobilien gelten.

Wir hoffen, wir tönen nicht zu negativ, erwarten aber ein sehr anspruchsvolles Anlageumfeld für die nächsten Jahre. Eine seriöse und professionelle Beratung wird wichtiger werden.

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