Rückblick
DAX und SMI haben im vergangenen Quartal leicht an Terrain verloren, nicht so der S&P 500, der leicht zulegen konnte. Seit Jahresanfang liegt der S&P 500 mit +14% klar vorne, dahinter der SMI mit +4% und der DAX mit +2%:
Der Vorsprung der amerikanischen Aktien wurde zudem durch die Währungsentwicklung verstärkt. Der US Dollar konnte von den dortigen Zinsanstiegen profitieren und legte gegen dem Franken um etwa 5% zu seit Jahresanfang. Der Euro blieb netto gegenüber dem Franken unverändert.
US-Staatsverschuldung auf Rekordniveau
Die US-Staatsfinanzen haben 2026 neue Dimensionen erreicht. Die absolute Verschuldung überschritt im August 2026 erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar, eine unglaubliche, aber abstrakte Zahl. Pro Einwohner sind das enorme 120‘000 Dollar oder für ein vierköpfige Familie somit fast eine halbe Million.
Um die Entwicklung der Staatsverschuldung etwas fassbarer und vergleichbarer zu machen, werden die Schulden häufig in Relation zur Wirtschaftsleistung (GDP) gestellt: dort liegt die USA aktuell bei etwa 122%.

Die bisherigen Höchststände lagen nach dem Zweiten Weltkrieg bei rund 119% (1945/46) und im Nachgang der Corona-Krise 2020 bei 133%. Die aktuelle Quote liegt damit nahe an den historischen Negativextremwerten der letzten 100 Jahre.
Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Nach 1945 sank die Quote dank starkem Wirtschaftswachstum, Haushaltsdisziplin und auch durch finanzielle Repression (künstlich tief gehaltene Zinsen) ab. Der Tiefpunkt Mitte der 1970er-Jahre lag bei etwa 30%. Seit den 1980er Jahren und besonders seit der Finanzkrise 2008 hingegen ist der Trend leider stark und ungebrochen ansteigend (siehe später auch Aussagen zum Budgetdefizit).
Zinslast auf Rekordniveau
Der jährliche Zinsaufwand hat die Schwelle von einer Billion Dollar mittlerweile deutlich überschritten und liegt damit nun auch höher als die ohnehin massiven Verteidigungsausgaben der USA. Vor 15–20 Jahren war der Zinsdienst noch deutlich kleiner als der Verteidigungshaushalt. Relativ zum GDP entsprechen die Zinsausgaben inzwischen etwa 3.5% – ein Niveau, das die bisherigen Nachkriegshöchststände der frühen 1990er Jahre (rund 3.2%) übertrifft.

Im Verhältnis zu den Steuereinnahmen beanspruchen die Zinsen inzwischen mehr als ein Fünftel der Bundeseinnahmen. Ein solcher Wert wurde historisch nur im Nachgang der hohen Inflationsphase Ende der 1970er Jahre übertroffen.
Budgetdefizit mit schlechtem Trend
Das Budgetdefizit bewegt sich aktuell bei etwa 1.8 Billionen Dollar bzw. rund 6% des GDP. Defizite in dieser Grössenordnung traten historisch fast ausschliesslich in schweren Krisenzeiten auf (Weltkriege, Grosse Depression, Finanzkrise 2008/09, Corona).

Die besorgniserregende Besonderheit der aktuellen Phase liegt darin, dass diese extrem hohen Defizite während einer Phase relativer wirtschaftlicher Normalität und trotz niedriger Arbeitslosigkeit anfallen.

Die Politiker, egal ob Demokraten oder Republikaner, sind offenbar weder willens noch fähig, die Staatsausgaben zu begrenzen.
Ausblick
Angesichts des nun schon länger andauernden Iran-Kriegs dürfte das US-Defizit derzeit wohl eher nicht kleiner werden. Die Basis der US-Staatsverschuldung ist bereits rekordhoch. Die Zinsmärkte haben begonnen, eine höhere Risikoprämie für US-Staatsanleihen zu verlangen, was die Zinslast weiter erhöht. Möglicherweise braucht es nur noch wenig weiteren Gegenwind, bis auch die Aktien- und Devisenmärkte diese fragile Konstellation stärker wahrnehmen als in den diesbezüglich ziemlich sorglosen letzten 15 Jahren.
«Mein bester Investmenttipp ist, niemals etwas zu kaufen, für das man in einer Schlange anstehen muss.»
— James Grant, fuw, 20.12.2014